Über und unter den Wolken

Kennen Sie Nefelokokkygia? Nein? Macht nichts, es gibt schlimmere Bildungslücken. Etwa solche wie die Unkenntnis von Die Vögel. Nein, nicht des Horrorklassikers von Altmeister Hitchcock – vielmehr der Komödie Die Vögel vom griechischen Altmeister Aristophanes.

Willkommen im Wolkenkuckucksheim

Aristophanes‘ »gefiederte Arten« haben vom schnöden irdischen Dasein den Schnabel gestrichen voll und gründen irgendwo zwischen Himmel und Erde die utopische Stadt Wolkenkuckucksheim, um fortan in einer sublimen Sphäre von schwebenden Ideen zu existieren: Nefelokokkygia.

Sie sehen, der Begriff Nefelokokkygia ist Ihnen längst so vertraut wie ein Luftschloss, ein Wunschtraum oder eine Vision; nur hatten die alten Griechen ein anderes Wort dafür, eben Nefelokokkygia.

Es gibt Leute (etwa Altmeister Helmut Schmidt), die sagen, wer Visionen hat, der solle zum Arzt gehen. Wir sagen: Wer Visionen hat, geht am besten zum Größenwahn Verlag, dem Wolkenkuckucksheim unter den Buchverlagen.

Über den Wolken …
… so dachten wir im Jahr 2009, müsste die Freiheit grenzenlos sein und gründeten in einem ambitionierten Anfall von Größenwahn einen Verlag. Einen Verlag, der – über die herkömmlichen Grenzen von Sprachen, Kulturen und Genres hinaus – ein Zuhause werden sollte für

  •  Autoren mit Migrationshintergrund
  •  Gegenwartsliteratur von der VIA EGNATIA (Südost Europa, Balkan, Kaukasusländer)
  •  Deutsche Literatur des 21. Jahrhunderts
  •  Politik und politische Satire 
  •  Kochbücher (oft kulinarisch inspiriert aus aller Herren und Frauen Migrationsküchen)
  •  Queere Literatur (schräg, homoerotisch, ungewöhnlich, außergewöhnlich)

Unschwer zu erkennen: Im Größenwahn Verlag steht der Migrationshintergrund im Vordergrund, quer und queer durch alle Genres.

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Was zum Kuckuck …?

Verleger Sewastos, (geschrieben auch Sevastos oder nur Takis gerufen) selbst ein in Deutschland aufgewachsenes Gastarbeiterkind griechischer Eltern, betrat mit seiner größenwahnsinnigen Verlagsidee (griechisch: Megalomanía) durchaus kein Neuland: Für den Teilhaber des legendären Frankfurter Restaurants Café Größenwahn – Treffpunkt für Freigeister, »Alt 68er«, Schwule, Lesben, Linke oder Freunde guter Küche – gehören Kneipe und Kultur, Kunst und Klönen, Lukullisches und Literarisches längst zusammen.

Was an jenem weltoffenen Frankfurter Tresen seit Jahrzehnten erfolgreich funktioniert, könnte als Konzept für ein que(e)rdenkerisches Verlagsprogramm ebenfalls Zukunft haben – dachte sich der Gastronom und wurde im Zweitberuf Verleger. »Heutzutage einen neuen Verlag zu gründen, dazu bedarf es schon einer gehörigen Portion Größenwahns«, erklärt er und verrät seinen kulinarisch-verlegerischen Geheimtipp: »Mut zum Verlassen des Mainstreams«, gewürzt mit einer Prise »Sinn für Schräges«.

Wolkenkuckucksheim mit Bodenhaftung

Heute, steht das hochfliegende Verlagsprojekt mit beiden Füßen fest auf dem Boden unternehmerischen Handelns, mit ca. 20-25 Neuerscheinungen pro Jahr (Print und e-books). Der größenwahnsinnige Vogel schwingt sich weiterhin durch die Lüfte, zwischen Himmel und Erde, den Wolken nah, die Utopie im Schnabel tragend – doch hat er inzwischen das Laufen gelernt. Das Fliegen jedoch, das wird er niemals verlernen.

Flieg weiter, Vogel, flieg höher, mutiger, bunter!

Willkommen auf Nefelokokkygia.

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