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»Wenn Sex zur Sucht wird: Thomas Pregel seziert das Innenleben eines selbstzerstörerischen Mannes, dem der Mut zur Verantwortung für sich selbst fehlt.« Axel Schock AIDS-HILFE-Magazin.hiv

»In seinem nachdenklichen Roman hat Thomas Pregel das Lebensgefühl der Nullerjahre eingefangen.« Angelo Algieri in QUEER.DE

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»Wenn Sex zur Sucht wird: Thomas Pregel seziert das Innenleben eines selbstzerstörerischen Mannes, dem der Mut zur Verantwortung für sich selbst fehlt.« Axel Schock AIDS-HILFE-Magazin.hiv

»In seinem nachdenklichen Roman hat Thomas Pregel das Lebensgefühl der Nullerjahre eingefangen.« Angelo Algieri in QUEER.DE

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Buchbeschreibung

Es ist kalt, früh am Morgen und der berühmte ›Torture porn-origins‹-Maler flieht aus Berlin. Er hat Angst von den Folgen seiner Taten, nicht nur der aus der letzten Nacht: Süchtig nach schmutzigem, anonymem und ungeschütztem Sex mit Männern. Hat er jemanden getötet? Gewissenbisse jagen ihn. Er hofft, auf der Insel Föhr, wo er ein Refugium für seine schmerzende Seele zu finden weiß, Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können. Die Vergangenheit rast erbarmungslos durch sein Gedächtnis, genau wie der Zug, in dem er sich befindet, die Stationen sind von kurzer Dauer, zu kurz, um sich die schreckliche Wahrheit einzugestehen: Wie konnte sich sein Leben nur so entwickeln?

Thomas Pregel kartografiert in seinem Debütroman das Innenleben eines Malers, das beherrscht ist von der Angst, die Realität zu akzeptieren und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Trotz Aufklärung über HIV und AIDS balanciert sein Antiheld auf dem Seil der Ansteckungsgefahr, provoziert mit rohen Sexszenen und fasziniert gleichzeitig mit atemberaubenden Gefühlswelten. Ein Roman über die Kunst, ihre Wahrnehmung und Wertschätzung, eine intime Retrospektive des Künstlers, seines Werdegangs, seiner Inspirationen und Schwächen, und eine Geschichte über die unsicherste aller Tageszeiten, wenn das Herz nach Liebe pocht.

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    :

    http://www.queer.de/detail.php?article_id=20277
    Von Angelo Algieri
    “Diese Reise ist ein einziger schuldiger Rausch, mehr noch, ein schlechter Trip.” Das denkt sich der namenlose Ich-Erzähler und Protagonist gleich zu Beginn des Debütromans “Die unsicherste aller Tageszeiten” des in Berlin lebenden Autors Thomas Pregel. Er ist in der neuen queeren Reihe “Q” des Frankfurter Größenwahn Verlags erschienen. Eine Reihe, die im Frühjahr mit der queeren Anthologie “Liebe und andere Schmerzen” des Herausgebers Jannis Plastargias begonnen hat. In dieser Sammlung ist u.a. die Erzählung “Dampfbadlotterie” von Pregel vertreten.
    Die Handlung des Romans spielt um die jüngste Jahrtausendwende. Der etwa 30-jährige schwule Protagonist und berühmte Maler ist auf der Flucht. Er muss sich sammeln, sein Leben ist aus den Fugen geraten. An einem Samstagmorgen nimmt er den Zug Richtung Wyk auf Föhr. Schlecht gelaunt steigt er in Berlin ein. Wie konnte es soweit kommen?
    Er sucht nach Gründen: Schon bald erinnert er sich an sein Coming-out in der schleswig-holsteinischen Provinz, als er als Jugendlicher von seinem Tennislehrer verführt wurde. Wie verliebt er damals in den verheirateten Mann war. Sie vergnügten sich unter der Dusche nach dem Training. Er erinnert sich, wie er mit ihm eins werden wollte – doch an einem Wochenende ging alles schief.
    Auf seiner Reise kommen dem Ich-Erzähler weitere Erinnerungen, die wir Leser chronologisch verfolgen. Vor allem die schwierige Zeit mit seinen überforderten Eltern nach dem Coming-out. Sie legten ihm sogar nahe, zu einem Psychiater zu gehen. Distanz zu ihnen konnte er erst in Hamburg aufbauen, als er dort zu studieren anfing. Er tobte sich aus und wurde als talentierter junger Maler entdeckt. Denn die aufgestaute Wut pinselte er auf Leinwände; sein Stil wurde seitdem als “torture porn” bekannt. Motive, die von weitem eine harmonische Szene darstellen, die jedoch beim näheren Betrachten Gewalt und Unterdrückung abbilden.
    Weitere Erinnerungen während der Zugfahrt: Wie er seinen Mäzen und Ex-Freund kennenlernte und wie er nach Berlin umzog, da ein jeder deutscher Künstler dort wohnen musste, damit sein Ruhm und Verkaufswert weiter stieg. Seine Bilder waren mittlerweile in der ganzen Welt begehrt. Internationale Ausstellungen und positive Besprechungen in renommierten Zeitungen, etwa der “New York Times”, begründen seinen Weltruhm.
    Nur im Privatleben hat es mit dem Glück bis heute nicht geklappt. Er fickt sich durch Saunen, Darkrooms, Klappen. Datet über Gayromeo. Nähe lässt er nicht zu. Und noch etwas bedrückt ihn, weswegen er Hals über Kopf Berlin den Rücken kehrte: Er vögelt immer ohne Gummi. Zwar schwört er sich jedes Mal, beim nächsten Sex ein Kondom zu nehmen, doch zwecklos. Er fühlt sich schuldig, als Virenschleuderer. Allerdings ohne je einen HIV-Test gemacht zu haben, zu groß ist seine Angst vor dem erwarteten Ergebnis. Doch nachdem er eine Nacht auf Föhr verbringt, möchte er sein Leben ändern, “erwachsen” werden und Verantwortung tragen: Wird er es schaffen?
    Das mangelnde Selbstbewusstsein und die Selbstzerstörung
    Autor Pregel, Jahrgang 1977, lotet in seinem Debüt Gründe aus, weshalb sein Protagonist sich ins Ungewisse manövriert hat. Weshalb er so selbstzerstörerisch, fragil und rastlos ist. Rührt sein Bareback-Verhalten aus seinem mangelnden Selbstbewusstsein, das sich aus familiär-homophobem Umfeld, nicht erwiderter Liebe von Familienmitgliedern und Liebhabern sowie Angst von zu viel Nähe speist?
    Doch Thomas Pregel zeigt auch, wie negative Erfahrungen in Kunst umgewandelt werden kann – für den Protagonisten zwei Seiten derselben Medaille. Das Tragische ist, dass der Ich-Erzähler es nicht vermag, seinen Schmerz mit der Kunst zu überwinden; als ob er in einer Schmerzschleife gefangen wäre.
    Apropos Bilder: Der Protagonist hat seine malerische Erweckung durch das Gemälde “Dante et Virgile” von William Adolphe Bouguereau (1825-1905). In gewissem Sinne steht dieses Bild, das im Prolog des Textes vorgestellt wird, symptomatisch für das Verhalten des namenlosen Ich-Erzählers. Denn Bouguereau hat Dante und Virgil im achten Höllenkreis abgebildet, wo sie gerade bei den Fälschern und Betrügern sind. Das Bild steht somit treffend für den Protagonisten als Selbstbetrüger. Aber es steht auch für seine Hoffnungslosigkeit, nie aus seiner “Hölle” zu entrinnen.
    Roman mit Schwächen
    Bedauerlicherweise hat dieser Roman Schwächen. Sie liegen zum einen im Dramaturgischen. Obwohl der Text lobenderweise reißend beginnt und viel Tempo hat, gerät die Handlung bald ins Stocken. Geschuldet teils ermüdenden Dialogen, langatmigen Beschreibungen sowie unnötigen Verlängerungen der Handlung. Zeitweise hat man das Gefühl, der Autor habe seinen Protagonisten nicht im Griff. Man versteht etwa nicht, warum das sehr ausschweifende Coming-out-Kapitel ein Drittel des Buches ausmacht. Die Proportionen stimmen nicht.
    Zum anderen überzeugt leider auch nicht die Konstruktion des Ich-Erzählers. Wenn er u.a. erklärt, was das SchwuZ ist und wie viele Einwohner Föhr in der Haupt- und Nebensaison hat, muss er es wohl an jemanden Dritten erzählen oder aufschreiben. Doch das ist nicht der Fall! Er sagt sich das selbst in seinen eigenen Gedanken – unglaubwürdig!
    Dennoch: Der in Bad Segeberg geborene Autor Pregel thematisiert in “Die unsicherste aller Tageszeiten” als einer der Ersten Ursachen für Bareback-Verhalten unter Schwulen. In einer Zeit, als eine HIV-Therapie schlechter therapierbar war als heute. Thomas Pregel liefert somit einen wichtigen erzählerischen Beitrag, warum beispielsweise heute die registrierten HIV-Neuinfektionen steigen. Und dokumentiert präzise das Lebensgefühl zu Beginn der Nullerjahre mit ihren Umwälzungen. Ein nachdenklicher Roman, der an manchen Stellen ein beeindruckendes Erzählfest ist!

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Details

  • Seiten : 372
  • Cover : Hardcover
  • Sprachen : Deutsch
  • Hrsg./Autor :
  • Erscheinungsdatum : 09.08.2013
  • aktuelle Auflage : 1
  • ISBN : 978-3-942223-28-7
  • e-ISBN : 978-3-942223-35-5

Über den Autor

Thomas Pregel

Thomas Pregel
Geboren 1977 in Bad Segeberg, Schleswig-Holstein. Nach dem Abitur Umzug nach Berlin, um Judaistik, Soziologie und Mittelalterliche Geschichte zu studieren. In seiner Magisterarbeit beschäftigte er sich mit Marcel Proust – diese Arbeit veröffentlichte er im Jahr 2009 auch als Buch unter dem Titel »Lust und Angst. Über die sexuelle Orientierung des Ich-Erzählers in Marcel Prousts ›Auf der Suche nach der verlorenen Zeit‹«. Thomas Pregel ist freier Lektor/Redakteur und lebt in Berlin. Er schreibt Prosa, Kurzgeschich-ten und Theaterstücke und ist auch in Netz unter www.thomaspregel.de zu finden.
Weitere Bücher von Thomas Pregel